Eine Reise durch die Modegeschichte – Wilhelmine und Persephone

Schon seit einigen Monaten spiele ich mit der Idee, über die Geschichte der Mode und verschiedene Mode-Stile zu schreiben.

Aber das im Stil von „was trugen die Menschen wann und warum“ haben ich und du sicherlich schon zu oft gelesen und dafür gibt es inzwischen Unmengen an Büchern und Dokumentationen.

Daher spukte schon eine Zeitlang die Idee in meinem Kopf, zwei Protagonistinnen zu kreieren, die aus ihrer Sicht erzählen. So kann ich auch mal zwei ( unterschiedliche) Meinungen über Mode-Themen darstellen und auch über Mode-Stile schreiben, die mir vielleicht gar nicht so liegen. Ich habe mir daher viele Gedanken gemacht und die beiden „Mode-Expertinnen“ kreiert:

Wilhelmina und Persephone

Beide sind in einer anderen Zeit geboren, „schreiben“ oder „diskutieren“ jedoch über Modestile der letzten 3 Jahrhunderte und geben dazu ihre Meinung.

Wilhelmine

Wilhelmine ist in der Zeit des Biedermeiers geboren. Sie war verheiratet. Die Ehe blieb jedoch kinderlos.

Sie trägt selbstverständlich immer, wie es im Biedermeier von Frauen erwartet wurde: lange Ärmel, Krinoline, dunkle Farben, Hut und Handschuhe.Die Haare sind streng zu einem Dutt gebunden.

Sie glaubt, dass Ehe und Familie das Einzige für eine Frau sein sollten. Schmuck, Firlefanz oder auffällliges Verhalten lehnt sie ab.

Persephone

Persephone ist in der Zeit des zweiten Empires (auch als Regency bekannt) geboren.

Sie ist unverheiratet und weißt die Heiratsanträge, die ihr gemacht werden ab. Sie trägt die Mode ihrer Zeit: leichte luftige Empire-Kleider, Handschuhe, Spencer oder Cape und Schutenhut.

Ihre Haare sind kurz geschnitten und in Locken gelegt.

Sie glaubt, dass man nur aus Liebe heiraten sollte und auch nur, wenn der Mann akzeptiert, dass eine Frau ihre eigene Meinung hat. Sie möchte jedoch lieber die Welt bereisen und Abenteuer erleben.

Wilhelmine begann den Tag wie jeden Morgen. Seitdem sie Witwe war und die Ehe mit ihrem Mann kinderlos geblieben war, hat sie nicht viel zu tun. Sie zog sich die Kleidung Ihrer Zeit an: eine Krinoline, ein Korsett, eine Chemise, ein langes Kleid mit langen Ärmeln und praktische Schuhe ohne Absatz und Firlefanz. Noch immer trug sie Kleider in dunklen Farben und so hatte sie sich heute für ein dunkles grün entschieden.

Wie jeden Morgen besprach sie mit ihrer Köchin, was gekocht und gereinigt werden sollte. Danach setzte sich ihren Hut auf, schlüpfte in ihre Handschuhe und besuchte eine alte Freundin aus Kindertagen. Diese war verheiratet und hatte 5 Kinder. Wilhelmine beneidete sie. Denn in ihren Augen sollte eine Frau verheiratet sein und Kinder haben.

Ihre Freundin begrüßte sie überschwänglich: “ Ich freue mich, dass du gekommen bist. Die Kinder sind heute die reinste Engel. Komm, wir besuchen sie im Lehrzimmer.“

Wie Wilhelmine war auch die Freundin der Meinung, das eine strenge Erziehung, vor allem in Hinblick auf Bildung, sehr wichtig war.

Sie nahmen den Tee ein und sprachen darüber, wie Wilhelmine schnell wieder heiraten könnte und wo passende Gentlemen zu finden wären. Nach einiger Zeit kamen sie jedoch zu der Erkenntnisse, das die Auswahl nicht besonders groß war, entweder zu alt oder zu jung oder nicht vermögend genug, um einen Familie zu gründen.

„Wilhelmine. Ich habe noch eine Kleinigkeit für dich. Warte einen Moment, bitte.“ Die Freundin erhob sich, verließ das Zimmer und kehrte nach ein paar Minuten wieder zurück.

In der Hand hielt sie einen Haarkamm aus Silber mit einer kleinen Blume.

Sie überreichte ihn Wilhelmine mit den geheimnisvollen Worten: “ Hoffentlich wird dir dieser Kamm helfen, einen geeigneten Ehemann zu finden.“

( Persephone sollte den gleichen Haarkamm von einer Freundin erhalten. )

Persephone erwachte wie jeden Morgen sehr früh. Sie schlüpfte in ihr Chemise-Kleid und in feste Schuhe. Wie jeden Morgen wollte sie einen Spaziergang zu ihrer Nachbarin machen, die eine halbe Stunde Fussweg entfernt wohnte. Sie setzte sich einen blassblauen Hut auf und griff nach einen breiten blauen Schal. Aus der Küche nahm sie sich eine Scheibe Brot und machte sich auf den Weg.

Ihre Nachbarin, Mrs. Stone, begrüsste sie freudig. „Guten Morgen, Persephone. Komm herein und frühstücke mit mir.“

Die beiden Frauen plauderten. Persephone erzählte ihr von der Reise nach London, die sie bald unternehmen wollte und versprach, Souvenirs mitzubringen und Briefe zu senden.

Persephone berichtete ihrer Nachbarin, dass ihre Eltern sie dazu drängten in der Hoffnung, dass Persephone eine gute Partie machen würde.

“ Nun, wir wissen beide, dass du nicht heiraten möchtest. Aber vielleicht fällt dir ein Mann vor die Füße, der deine Unabhängigkeit fördert… Oh, ich habe noch etwas, dass dir Glück bringen wird. „

Mrs. Stone erhob sich und kehrte nach ein paar Minuten mit einem Haarkamm in Silber mit einer kleinen Blume zurück

Persephone wollte das Geschenk abweisen. “ Der Kamm ist viel zu kostbar, um ihn mir zu geben.“

“ Nimm, meine Liebe. Bei mir liegt er doch nur im Schmuckkästchen. „